Ernst Künzl - Archäologe - Sachbuchautor
Die Sternsagen des Altertums

- Der Jäger Orion als Sternbild. Himmelsglobus Mainz, RGZM (Kopie).
Wissenschaftliche Astronomie wie religiös motivierte Astrologien sind Schöpfungen des antiken Vorderen Orients und des gräko-römischen Altertums. Namen und Positionen der antiken Sternbilder sind bis heute gültig geblieben. Die griechischen Begriffe verdrängten die germanischen Sternennamen, und sie konnten sich auch im Christentum der Spätantike und des Mittelalters halten: Eine Entpaganisierung des Sternenhimmels hat nie stattgefunden.
Die antiken Sternbilder sind am Himmel geblieben, aber die Zahl der 48 kanonischen Konstellationen des Ptolemaeus im 2. Jahrhundert hat sich inzwischen fast verdoppelt: Die Internationale Astronomische Union hat sich 1922 auf eine Liste von 88 Sternbildern geeinigt, für die der belgische Astronom Eugene Delporte im Jahre 1930 klare Grenzen festlegte, die man seitdem anerkannte.
Die neuen Sternbilder im Süden, die in der Neuzeit seit dem 16. Jahrhundert hinzukamen, haben teilweise Tiernamen (Tucana, Dorado) oder technische Namen (Sextans, Horologium). Auf Mythen hatte man in der Neuzeit verzichtet. Die modernen Schöpfungen der Südhemisphäre konnten naturgemäß nicht die Anschaulichkeit der alten Mythen erreichen.