Vom Kaiserschmarrn zum Spundekäs'
Biographisches aus Wien und Mainz
 

Es fällt einigermaßen schwer, in einer humorigen Festschrift eine Biographie des zu Ehrenden zu integrieren, noch dazu, wenn der Untertitel des Buches ausdrücklich nach "Culinaria" verlangt. Schon im Vorwort haben wir auf die sehr variationsreichen Rezepturen jener Meisterköche hingewiesen, die etwas zu unserer bunten Tafel beigetragen haben. Und sollte sich nicht auch ein Lebenslauf lesen wie ein gutes Kochbuch? Viele gut verträgliche, gesunde und nicht zu schwer verdauliche Gerichte für den Alltag, einige Gourmet-Menüs und nicht zu vergessen auch ein paar Rezepte für all jene Zeiten, in denen der Magen nach pikanter oder schwerer Kost nach etwas Ruhe und Erholung verlangt.

Die Lebensrezeptur Robert Fleischers kennen wir nicht. Zudem hat ihm sicher auch hier und da einmal jemand "die Suppe versalzen" oder die benötigten Ingredienzen waren nicht wie gewünscht zur Hand, doch möchten wir an dieser Stelle wenigstens die wesentlichen Zutaten kurz beschreiben, wenn uns auch bewußt ist, daß die Mischung unvollständig bleiben muß: fehlgeschlagene Kreationen werden selten veröffentlicht, der Einheitsbrei verdient keiner Erwähnung, und Geheimrezepte heißen aus gutem Grunde so.

Robert Fleischer als Kind
Abb. 1: Robert Fleischer im Alter von ca. einem Jahr

Am 16. Januar 1941 wurde Robert Fleischer als Sohn des Kunsthistorikers Julius Fleischer und dessen Frau Rosa in Wien geboren. Schon als Einjähriger blickte er forsch in die Welt (Abb. 1) und wie uns berichtet wurde, besaß er schon in frühester Jugend einen erstaunlichen Forscherdrang, wenn auch an die Archäologie damals noch nicht zu denken war. Eine zweite Leidenschaft, die ebenfalls in Jugendjahren entflammte, hat sich bis heute erhalten, die Liebe zum Sport, insbesondere zum Radrennsport. Hätte nicht im Jahr 1959 eine Knieverletzung der bis dahin vielversprechenden Karriere - die bereits im Alter von 16 Jahren durch Siege bei Österreichrundfahrten gekrönt war - als Radrennfahrer ein Ende gesetzt, wer weiß, ob die Archäologie nicht auf einen Gelehrten hätte verzichten müssen. So wurde denn das Fahrrad "nur" zum Hauptfortbewegungsmittel erkoren, doch selbst zum "Erfahren" hoher Gebirgspässe wurde und wird es hin und wieder eingesetzt. So erklomm er beispielsweise 1958 das 2600 m hohe Stilfserjoch oder 1999 den 2770 m hohen Iseran (Abb. 2 und 3). Ausgedehnte Radtouren gehören zudem wie das tägliche Joggen zum Routineprogramm.

Fahrrad Fahrrad
Abb. 2 (links): 1959 bei der Rundfahrt Wien - Drasenhofen - Wien, Fahrer im Vordergrund R. Fleischer; Abb. 3 (rechts): rechts vierzig Jahre später: 1999 auf dem Iseran

Der ausgeprägte Forscherdrang, der sich auch auf das Erkunden fremder Länder mit all ihren Schätzen und Geheimnissen erstreckte, weckten in Robert Fleischer schon früh das Interesse an dem Fach der Klassischen Archäologie. 1958 nahm der erst 17jährige das Studium in der Fächerkombination mit Alter Geschichte und Klassischer Philologie auf. Darüber hinaus erwarb er fundierte Kenntnisse in den Bereichen der Antiken Numismatik, Ur- und Frühgeschichte, der Orientalistik und der Ägyptologie. 1962 erhielt er das Griechenlandstipendium des ÖAI in Athen und bereits 1963 promovierte er mit 22 Jahren unter der Leitung von Frau Professor Hedwig Kenner über "Antike Bronzestatuetten aus Österreich". Zu seinen Lehrern zählten fernen, um nur die wichtigsten zu nennen, F. Eichler (Klassische Archäologie), A. Betz und F. Schachermeyer (Alte Geschichte).

Robert Fleischers beruflichen Werdegang bis heute ausführlich zu beschreiben, würde zu weit führen, weshalb wir uns auf eine kurze, tabellarische Aufzählung der wesentlichen Stationen beschränken möchten.

1963 kurzfristige Beschäftigungen am Bundesdenkmalamt und Rheinischen Museum in Bonn
1963 zunächst Vertragsassistent, dann Hochschulassistent am Österreichischen Archäologischen Institut, dort tätig bis 1973 (mit Unterbrechung 1964/65 wegen Bundesheer)
1973 Habilitation über "Artemis von Ephesos und verwandte Kultstatuen aus Anatolien und Syrien", danach Univ.-Doz. am Institut für Alte Geschichte, Archäologie und Epigraphik der Universität Wien
1974 Zweiter Listenplatz (C4) im Bewerbungsverfahren der Universität Trier
1975 Kardinal Innitzer-Förderungspreis für Geisteswissenschaften
1976/
1977
Lehrstuhlvertretung an der Universität Bochum
1977 Ruf auf die Professur (C4) an der Universität Mainz, dort seit 1. Oktober Direktor des Institutes
Ruf auf die Professur (C3) an der Universität Köln
ab 1978 Ordentliches Mitglied des Deutschen Archäologischen Instituts, Mitglied der Zentraldirektion, Ordienarienvertreter für das Land Rheinland-Pfalz
1987/
1988
Sommerseminare in Südtirol
1989 Kress Lecture in Ancient Art, Bryn Mawr College, Pennsylvania, USA
1996 Mitglied im Fachausschuß der Orientabteilung des Deutschen Archäologischen Instituts

Daß es sich bei Herrn Professor Fleischer nicht um den berühmten "Schreibtischtäter" handelt, was bei einer weit über 100 Einträge umfassenden Publikationsliste und mehr als 25 Jahren Lehrtätigkeit fast zu befürchten gewesen wäre, beweist sein engagierter Einsatz bei archäologischen Ausgrabungen, die er teilweise selbst leitete (Abb. 4 und 5):

Leitung von Grabungen
1962 St. Martin im Lungau, Salzburg
1964-70 Immurium (Moosham), Salzburg
1971 Steindorf, Salzburg
1972; 1974 Survey und Fundbergung in Sagalassos, Türkei
1993 Survey in Herakleia Salbake, Türkei
Teilnahme
1959-60 Magdalensberg, Kärnten
1961 Novaesium, Neuß
1962 Bischofsburg, Xanten
1962 Elis, Griechenland
1963 Kirchengrabung Münstereifel
1963-77 Ephesos, Türkei
1999 Jabal Al'Awd, Jemen
Grabung Sagalassos
Abb. 4: bei einer frühen Grabungsteilnahme
Abb. 5: 1974 in Sagalassos

Kurz noch einmal zurück zum Privatmann. Immer sind es Menschen, deren Geschichte und Sensitivität Robert Fleischer berühren, sei es in seinen Arbeiten zur Antike oder im täglichen Leben. Vier Kinder: Susanne (geb. 1969), Martin (geb. 1970), Matthias (geb. 1984) und Andreas (geb. 1987) sorgen dafür, daß sich der Blick nicht nur auf längst vergangene Kulturen, sondern gleichsam in die Gegenwart und Zukunft richtet. Auch in seiner Freizeit lassen ihn fremde Kulturen nicht los. So außergewöhnlich wie seine Reiseziele ist oft auch sein Gepäck, das nicht selten nur aus einem 10kg-Rucksack und einer Fotoausrüstung bestand. Zu seinen bisherigen Reisezielen gehörten u. a. die Türkei, Syrien, Jordanien, Iran, Irak, Peru, Bolivien, die Zips (Slovenien), Nepal, Mexiko, Guatemala und Indien sowie eine Wanderung in Nordspanien über den sogennanten Jakobspilgerweg nach Santiago de Compostela. Dabei ist er aber in all den Jahren Mainz, wenn auch vielleicht nicht ganz leichten Herzens, doch immer treu geblieben und nun schon seit 24 Jahren hier ansässig. Als Wiener vermißt er sicher ab und zu den "Kaiserschmarrn", und darüber kann auch der beste Mainzer "Spundekäs'" nicht hinwegtrösten, doch zumindest für die nächsten fünf Jahre wird er wohl dem Mainzer Institut und damit auch dieser Stadt erhalten bleiben. Und welche "Culinaria" er nach seiner Emeritierung einmal genießen wird, läßt sich an dieser Stelle schwer sagen.

Robert Fleischer
Abb. 6: Robert Fleischer im Jahr 2000
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